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 Volkshaus in Weimar

  

100 Jahr das Volkshaus in Weimar

Dokument zur Grundsteinlegung des Volkshaus
Am 29. Juli 1907

 Ein Mangel an größeren Versammlungslokalen, und zumeist der Umstand, dass der organisierten Arbeiterschaft in Weimar kein größerer Saal zur Abhaltung von Versammlungen dauernd zur Verfügung stand, gab bereits im Jahre 1893 den Anlass, dass man sich in den beteiligten Kreisen mit der Beschaffung eines solchen Lokales befasste. Es waren bereits damals Unterhandlungen wegen Erwerb des „Sächsischen Hofes“ in die wegen geleitet. Dieselben zerschlugen sich aber bald wieder, wegen finanzieller Kulanitäten. In den Jahren 1904 und 1905 versuchten die Gewerkschaften eine Genossenschaft zu gründen, die die Mittel zum Bau eines Gewerkschaftshauses aufbringen sollte. Auch dieser Versuch scheiterte an der Ausführung, weil die Genossenschaft nicht vom Gericht auf Grund gesetzlicher Bestimmungen in das Genossenschaftsregister eingetragen wurde. Anfang Juli 1906 fanden sich folgende Herren: Baudert, Keck, Adler, Beck, John, Körber, Neid, Riepl, Thorwirt und Kulessa zusammen und erwogen aufs Neue den Plan eine Genossenschaft zwecks

Erbauung eines Volkshauses

zu gründen. F. August Baudert, Mitglied des Landtags für den Wahlkreis Apolda, der seit dem 24. März 1906 seinen Wohnsitz in Weimar genommen hatte, wurde mit der Eingabe an das Gericht betraut. Am 6. Juli 1906 fand die erste Zusammenkunft der Genossenschaft Staat. Es wurden die Statuen entworfen und das Amtsgericht Weimar, zwecks Eintragung in das Genossenschaftsregister eingereicht. Das Amtsgericht  Weimar lehnte jedoch die beantragte Eintragung ab. Unterm 27. Juli 1906 legte die Genossenschaft gegen die Entscheidung des Amtsgerichts beim Großherzoglichen Landgericht in Weimar Beschwerde ein. Diese Beschwerde hatte  den Erfolg, dass unterm 4. August 1906 das Landgericht verfügte, dass von Seiten des Amtsgericht die Eintragung der Genossenschaft in das betr. Register zu erfolgen habe. – Unter Nr.16 Band I des Registers erfolgte die Eintragung  am 23. August 1906. Das dem Amtsgericht eingereichte Statut wurde eigenhändig unterzeichnet von F. August Baudert; Bruno Keck; Johann Adler; August Beck; Wilhelm John; Heinrich Körber; Eduard Neid; Georg Riepl; Max Thorwirt; Karl Kulessa und Karl Schlönvogt.

Bereits Anfang September 1906 wurde von der „Feldschlösschen-Brauerei“ das Grundstück, das ehemalige „Hoffmann’sche Kaffeehaus“,  zwischen Herderplatz und der großen Teichgasse erworben. Auf diesem Platz sollte das Volkshaus errichtet werden. –Gar bald musste man aber wahrnehmen, dass von Seiten maßgebender Behörden weitgehende Schwierigkeiten bereitet wurden, die den Bau des Volkshauses an dieser  Stelle in Frage stellten. Bereits hatte  der Architekt, Herr Bruno Röhr in Weimar die Zeichnungen entworfen; der Bauplan war fix und fertig. Da wurde die Aufmerksamkeit auf den geräumig viel größeren Platz der Lotze’schen Gärtnerei gelenkt, die am 1. April 1907 in den Besitz des Herrn August Staudinger war es möglich mit den Vorarbeiten zu dem Bau eines Volkshauses auf diesem Platze bald zu beginnen. Für 45 000 Mark wurde der ganze Platz erworben und aus demselben  der mittlere Teil zum Bau des Volkshauses abgetrennt. Herr Architekt Bruno Röhr entwarf nun ein vollständig neues Projekt. In mehreren Sitzungen des Vorstandes, bestehend  aus den Herren:  F.A. Baudert; Bruno Keck und Eduard Neid, sowie des Aufsichtsrates, bestehend aus den Herren: Wilhelm John; Johann Adler und Heinrich Körber wurde schließlich der Beschluss gefasst. Die gesamte Bauausführung unter Zugrundelegung besonderer Vereinbarungen dem Herrn Architekt B. Röhr zu übertragen. Von diesem, mit Zustimmung des Vorstandes der Volkshaus-Gesellschaft, erhielt Herr Bauunternehmer Huldus Brömmer Oberweimar die Mauerarbeiten übertragen. – Am 4. Juni 1907 stimmte  die Generalversammlung der Gesellschaft diesem Beschluss zu. Bereits am 5. Juni wurde der Bauvertrag mit dem Herr Röhr abgeschlossen uns sogleich mit den Arbeiten auf dem Platze begonnen.

 

 Rohbau 1907

Rohbau 1907
Das Fotoquelle des Stadtarchiv Weimar

 

Die Arbeiten wurden so energisch in Angriff genommen, dass da Kellergeschoss, sowie die Sockelmauern Ende Juli bereits fertig gestellt waren. Am 29. Juli 1907 fand anlässlich dessen eine kleiner Feier statt, bei dieses Dokument einem Ecksockelsteine eingefügt wurde. – Die gesamt Bau, - ohne die Kosten für Erwerbung des Platzes – ist mit 153 500 Mark erworben worden.

Bis zum 31. Oktober 1907 soll der Rohbau zur polizeilichen Abnahme fertig gestellt sein. Die Vollendung des ganzen Gebäudes soll ende April 1908 erfolgt sein, damit das Gebäude seinem Zwecken am 1. Mai 1908 übergeben werden kann. Es ist vorgesehen, dass der geräumige Saal, sowie alle, dem öffentlichen Verkehr dienenden Räumen jeder Gesellschaft, Vereinigung oder Partei zur Verfügung gestellt werden sollen. Damit erhalten die organisierten Arbeiter, die Gewerkschaften, Sänger, Turner, sowie die politische Organisation der Arbeiterklasse, die sozialdemokratische Partei, ein Lokal zur Verfügung gestellt, wie es seit Jahren der sehnlichste Wunsch dieser Kreise war. – Die Kosten für das gesamte Unternehmen sind durch Darlehen beschafft, die bis zu 80 Prozent der Bausumme von der „Feldschlösschen-Brauerei“ unter der Bestimmung gewährt werden, dass diese  ausschließlich in dem Lokale ein Absatzgebiet für ihre Produkte erhält. –

In die Periode der Vorarbeiten zum Bau des Volkshauses, fiel die Wahl zum XXXI. Ordentlichen Landtage des Grossh. Sachsen. In der Stadt Weimar wurde der Bürgerschullehrer Polz; als Vertreter der Höchstbesteurten, der Kommerzeinrat Döllstedt gewählt. Von den Mitgliedern der Volkshaus-Gesellschaft wurde in Apolda, F. August Baudert wiedergewählt und im Wahlkreise Allstedt-Oldisleben: August Beck au Weimar. Am 13. Dezember 1906 wurde der Reichstag aufgelöst. Am 25. Januar 1907 fanden die Hauptwahlen, und am 5. Februar die Stichwahlen statt. Die Sozialdemokratie im ersten weimarschen Wahlkreis bisher innegehabten Mandats ging dabei verloren. Der bisherige Reichstagabgeordnete F. August Baudert verlor damit seinen Sitz im Reichstage. –

Um die Zeit der Grundsteinlegung des Volkshauses wurde in Weimar, an Stelle des alten abgebrochenen Hoftheaters ein neues Theater erbaut, dessen Einweihung bereits am 1. Dezember 1907 in Aussicht genommen ist. –

Die Politische Organisation der arbeitenden Bevölkerung, die Sozialdemokratie zählt zurzeit über 500 eingeschriebene Mitglieder in der Stadt Weimar. Die politische Tageszeitung der Partei, die in Erfurt erscheinende „Tribüne“ wird in über 700 Exemplaren in Weimar gelesen. Vorsitzender des „sozialdemokratischen Volksverein“ ist der Tischler Heinrich Körber. – Die Kreisleitung für den ersten weimarschen Wahlkreis  hat ihren Sitz ebenfalls in Wimar. Dieselbe besteht aus Genossen. August Beck; Hermann König und Georg Riepl. – Die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter zähen in Weimar zurzeit über 1100 Mitglieder (1907!)

Allen diesen, sowie denen, die im Volkshaus eine gastliche Stätte suchen, möge ihr Wunsch erfüllt werden. Bei heiteren Anlässen, sowie bei ernsten Veranstaltungen möge das „Volkshaus“ seinem Zwecke entsprechen. Mögen die in seinen Räumen veranstalteten ernsten Beratungen immer dazu führen, dass der schaffenden Kraft des Volkes, der Arbeit ihr Anteil werde an allem Schönen und Guten, was er Fleiß und die Kunst der Menschheit bietet.

Möge das Volkshaus eine Stätte sein, in der sich nach und nach die Worte erfüllen:       

 

Dem ganzen Volke sei’s gegeben
Das ist das Ziel, das wir erstreben!

Weimar, den 29.Juli 1907

 

 Volkshaus nach seiner Eröffnung als erstes Gewerkschaftshaus Thüringen

Das Volkshaus nach seiner Eröffnung als erstes Gewerkschaftshaus Thüringen
am 26.04.1908

Das Foto des Stadtarchiv Weimar

 

 

 Klubhaus „Michael Niederkirchner“ 1908 als Volkshaus eröffnet

Klubhaus „Michael Niederkirchner“ 1908 als Volkshaus eröffnet
Das Foto des Stadtarchiv Weimar

  

www.ausstellung-weimarer-republik.de

 


 

 

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